„Ein präziser Blick auf persönliche Sammelleidenschaften oder wenn Unordnung in eine Ordnung übergeht“
Kleinformate Zeichnungen von Alltagsobjekten gehen den großformatigen, ebenso realistisch gemalten Ölbildern der Künstlerin voraus.
Die junge Luxemburger Künstlerin Lara Weiler ist in der Gruppenausstellung „Von Stoff und Körpern“ im KVFM e.V. in Frankfurt mit einer größeren Auswahl an neuen Bildern in unterschiedlichen Formaten zu sehen. Lara Weiler setzt gebrauchte Alltagsobjekte als poetische Träger emotionaler und gesellschaftlicher Spuren ein und positioniert ihre Arbeiten bewusst als Gegenpol zur Konsumkultur.
Den Mittelpunkt der Ausstellung bilden drei großformatige Ölbilder der Künstlerin, die zu einem Triptychon angeordnet sind. Jedes Bild steht dabei für sich. Während auf dem linken und rechten Bild verschiedene Kleidungsstücke und Accessoires auf einem Stuhl eine lockere Verbindung eingehen, sind die gemalten Objekte und die Kleidung auf dem Bild mit dem Titel „Yaya und seine drei Tierchen“ zu einem Kleiderhaufen aufgetürmt. Den krönenden Abschluss der Kleiderpyramide bildet eine modische Handtasche in Grau samt Accessoire.
Lassen sich anhand der gemalten Accessoires und der angedeuteten Kleidungsstücke persönliche Vorlieben einer Person ablesen und wie entstehen die einzelnen Arrangements, so die Frage an Lara Weiler. Aus einem früheren Gespräch ging hervor, dass sie Art-Porträts von Freund:innen und Personen aus ihrem direkten Umfeld anfertigt. Porträts, die zugleich als Stilleben eingeordnet werden können. Die Entstehung ihrer Bilder beschreibt die Künstlerin selbst als einen sehr intimen spannenden Prozess. So überlege man stets gemeinsam, welche Gegenstände aus dem häuslichen Umfeld, eine Person jeweils ausmache. Es entstehe bei der Auswahl ein gemeinsam erschaffenes Chaos und die abgebildete Person transformiere unbewusst zu ihrem Assistenten, so Lara Weiler.
Die jeweilige häusliche Umgebung spart die Künstlerin freilich aus und lenkt vielmehr den Blick auf die intensiven, geradezu aufleuchtenden Farben und auf einen lebendigen Mustermix, hervorgerufen durch die Schichtung der gemalten Kleidungsstücke sowie Gegenstände. Lara Weiler selbst sagt über ihre Motivwal:
„Die Kleidungsstücke sind genauso wie die unterschiedlich abgebildeten Objekte Gegenstände unseres alltäglichen Gebrauchs. Ich nenne sie daher Alltagshelden. Ohne sich zu beschweren, dienen sie uns täglich und erfüllen ihre unterschiedlichen Funktionen. Sie sind gleichermaßen zu werten.„Lara Weiler
Wenngleich die Künstlerin den entkleideten Körper als Motiv nicht malt, sind wir als Betrachter:innen dazu eingeladenen, uns die Person zu den jeweiligen Kleidungsstücken und deren Objekte bildlich vorzustellen. Der Betrachter ertappt sich als Voyeur, der in ein häusliches Umfeld zu blicken scheint, ebenso wie man beispielsweise in das intime Innere einer Tasche in der Ausstellung schauen darf.
„Ludewine ist ein richtiges Sonnenscheinchen“, 2026 (l.); „Yaya und seine drei Tierchen“, 2026 (m.); „Es ist zu warm“, 2025 (r.) – alle Werke wurden mit Acryl- und Ölfarbe auf ungrundierter Leinwand gemalt.
„Die Flasche hat Emer noch am selben Tag verloren“,Acryl und Ölfarbe auf ungrundierten Leinwandstoff auf MDF, 2025 (l.); „Schleni, irgendwo am Duschen in Kamakura“, Acryl und Öl auf ungrundierte Leinwand; Zwei Biker sassen auf einer Bank…“Acryl und Öl auf ungrundierte Leinwand, Buntstifte auf braunem Papier, 2025.
Blick in die Gruppenausstellung „Von Stoff und Körpern“ im KFM e. V. in Frankfurt am Main. (Fotos: E. Perez)
Lara Weiler (*1999) ist Absolventin der Hochschule für bildende Künste (HBKsaar) in Saarbrücken. Im Jahr 2024 hat sie dort ihr Studium mit einem Master erfolgreich im Fachgebiet Freie Kunst abgeschlossen. Noch im gleichen Jahr wurde sie mit dem Prix Pierre Werner (Luxemburg) ausgezeichnet. Die Künstlerin lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin wieder in Luxemburg. Sie hat bereits mehrere Einzelschauen ausgerichtet.