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STÄDTISCHES WERKZEUG

KATALOG PRÄSENTATION UND SYMPOSIUM „STADT GESTALTUNG HEUTE“

FINISSAGE DER AUSSTELLUNG, 12-MAI-2019, 15 H, MANNHEIMER KUNSTVEREIN

Hortense Pisano und Martin Starther, die Kuratoren der Ausstellung im Gespräch mit:

Günter Zamp Kelp, Architekt, Mitbegründer Haus-Rucker-Co (Berlin)

Tatjana Dürr, Referentin für Baukultur (Stadt Mannheim)

Philipp Morlock, Bildhauer (Mannheim)

Eine Gesprächsrunde begleitend zur Ausstellung „Städtisches Werkzeug“ und zum Thema „Provisorische Architektur“. Zur Debatte steht die Frage: Welche Art von Architektur und Stadtplanung braucht unsere Stadt heute? Wie könnte unser urbanes Umfeld architektonisch lebensnaher und sinnvoll gestaltet werden? – Wie lassen sich die vorhandenen Zwischenräume sowie brach liegenden Flächen, insbesondere in der Stadt Mannheim, kulturell nutzen? Welche Lösungen haben Haus-Rucker-Co im Rahmen ihrer Projekte für den öffentlichen Raum bereits vorgestellt und wie schauen aktuelle Baukunstvisionen der Architekten aus?Weitere Projekte u.a. von dem Bildhauer Philipp Morlock für die Stadt Mannheim als auch von Tatjana Dürr, der Baureferentin Mannheims, werden im Gespräch vorgestellt.

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Haus-Rucker-Co: ein Rundgang durch die Ausstellung im MKV

Fotos: Eduardo Perez

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Eindrücke vom Vernissage-Abend der Haus-Rucker-Co Ausstellung

Einblick in das Schaffen der in Wien gegründeten Künstlergruppe Haus-Rucker-Co, die erstmals auch eine neue raumgreifende Installation in den Mannheimer Kunstverein platzierten, zeigt ihre Ausstellung „Städtisches Werkzeug“.

Architektur nahe an der Schnittstelle zur Bildhauerei, die den Menschen und seine Bedürfnisse im Städtischen Raum stets einbezieht und dafür eine zeitgemäße Architektursprache schafft, bis heute, so lässt sich das „Städtische Werkzeug“ übergreifend charakterisieren.

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Anregend, kein Aufreger

Im HKW Berlin startete die transmediale im dreißigsten Jahr mit einem gut besuchten Festivalwochenende. „Ever elusive“ („immer ausweichend, schwer fassbar“), das Motto des Medienfestivals könnte zugleich auch als Kritik umformuliert werden. Es gelang dem Festival nicht, die aktuell brisanten Themen der Digitalisierung in den Panels auf den Punkt zu bringen.

Die 30. Ausgabe des Medienkunstfestivals transmediale ist im Haus der Kulturen der Welt in Berlin gestartet – weitere Veranstaltungen bis 5. März 2017.

Sexy ist sie allemal. Die Berliner transmediale. Einst galt das Festival als ein Treffpunkt für Freaks, Computernerds, technikverliebte Visionäre sowie Bastler. Über die Jahre hinweg erhielten auch immer wieder politisch motivierte Hacker-Aktivisten eine Plattform. Waren es zu Beginn der 90er-Jahre etwa italienische Anti-Globalisierungsgegner, deren Computer nach den Aufständen in Genua konfisziert wurden und in Folge über das harte Vorgehen der Polizei in der Berlusconi-Ära berichteten; kamen zuletzt Twitter-AktivistInnen aus den Krisenherden des gesamten Erdballs zu Wort.

Wer genau diese Atmosphäre im diesjährigen Jubiläumsjahr suchte, der wurde enttäuscht. Vom Flair der einstigen Nischenveranstaltung ist dreißig Jahre nach Entstehung des Medienkunstfestivals nur noch wenig zu spüren. Was der Beliebtheit der transmediale keinesfalls schadet. Im Gegenteil. Turbulent ging es durchaus zu. So ist es für Berlins Hipster offenbar schick geworden, am vereisten Spreeufer entlang bis zum frisch renovierten Haus der Kulturen der Welt (HKW) zu schlittern. Ein Publikum, das im Schnitt jünger als das Festival selbst ist, strömte am Festivalwochenende (2.2.- 5.02.) in die angebotenen Vorträge, Film- sowie Videovorführungen als auch in die parallel veranstaltete Ausstellung „alien matter“. In kurzer Zeit waren sämtliche Tickets ausverkauft. Da hieß es, sich gedulden und Schlangestehen.

Ein Foto aus der Sonderausstellung „alien matter“. Laut Aussage der Organisatoren ist unter dem Titel eine „vom Menschen gemachte, ihm gleichzeitig radikal fremde, potenziell intelligente Materie“ zu verstehen – das Ergebnis sei eine zunehmende Naturalisierung von technologischen Artefakten, welche als autonome Akteure die zentrale Rolle des Menschen infrage stellen. Zum Beispiel:  Einar Yoldas: Artificial Intelligence for Governance, The Kitty von 2016 – Stubentieger übernehmen alsbald die Weltherrschaft? Das Publikum war sichtlich angetan.

Auf Verjüngungskurs

Kristoffer Gansing ist seit 2012 künstlerischer Leiter des Medienkunstfestivals. Sein Programm, das mit einer glatten Fotoglanzästhetik im Begleitheft beworben wird und aus der Feder des New Yorker Künstlerkollektivs DIS stammen könnte, hat diesen Verjüngungskurs der transmediale ermöglicht.

Jugendlich, frisch und nach wie vor anregend von der Themenauswahl ist die transmediale. Doch eines ist die Veranstaltung 2017 erstaunlicherweise nicht gewesen – kein bisschen aufregend. Obschon sich in den Panels durchaus wissenschaftliche Netzprominenz versammelt hat, bescherten die Vorträge selten tiefgreifende Erkenntnisse. Vielmehr stellte sich der Eindruck ein, viele der vorgestellten Themen wiederholen sich, zirkulieren um sich selbst, ohne, wie gesagt, neue Forschungsergebnisse zu liefern. Statt nach Lösungen zu suchen und in kleineren Runden zu diskutieren, wurde in der Hauptsache referiert – die Mediengeschichte historisch aufgearbeitet, erste Forschungsschritte lediglich skizziert.

Die Tendenz zur Wiederholung und Vereinfachung mag dem vorwiegend jungen Publikum geschult sein oder auch der 30-jährigen Jubiläumsausgabe. Das hat aber zur Folge, dass ausgerechnet der zukunftsweisende Aspekt, welcher dem Medienfestival programmatisch inhärent sein sollte, sowohl in den Panels als auch in der Ausstellung weitgehend fehlte.

Mehr Mitsprache?

Das Problem ist bekannt. So hatte Gansing im Vorfeld der transmediale angekündigt, Abhilfe zu schaffen. Die Kluft zwischen Theorie und Praxis versprach er, durch das Konzept eines „partizipatorisches Festivals“ schließen zu wollen. „Ein Zusammenspiel unterschiedlicher „Streams“ oder Stränge, die sich um Handeln, Schaffen, Teilen und Sichern drehen“, sollte die 30. Ausgabe laut Gansing werden.

Mit Blick auf die Kommunikationsmöglichkeiten des Internets, ein viel versprechender Ansatz. Nach dem Wochenende stellte sich nun zunächst Ernüchterung ein – noch ist Gansings Konzept nicht ersichtlich geworden.

Fast könnte man meinen, die Veranstalter hätten mit dieser Kritik von außen gerechnet. So ist das Festival diesmal mit dem Titel „Ever elusive“ überschrieben, was auf Deutsch mit „schwer fassbar“ übersetzt werden kann.

Gewiss: Die Unsichtbarkeit von digitalen Abläufen und die daran geknüpfte Beeinflussung unserer Wahrnehmung – unseres Konsumverhaltens, unserer politischen Meinungsbildung bis hin zur eigenen Körperwahrnehmung – das alles sind, gerade in Anbetracht der jüngsten Ereignisse rund um das Wahlgeschehen in den USA, erschreckende Tatsachen, die es immer wieder aufs Neue ins Bewusstsein der Festivalbesucher zu rücken gilt. Allerdings bleibt die Frage, ob das jetzige Format diese gewichtigen Themen adäquat behandelt, zumal sie ähnlich in den vorangegangenen Jahren im Fokus der Panels und Workshops standen.

Immerhin: Selbst wenn das Festival im 30. Jahr in einigen Punkten schwächelte, bleibt eines doch gewiss – die transmediale wird ein wichtiger Treffpunkt für die internationale Netz-community bleiben und das Format dürfte sich entsprechend fortentwickeln.

Daher am Schluss noch ein Plädoyer: die Vielfalt des Festivals zu erhalten, das heißt: der Videokunst ebenso wie aktuellen Soundarbeiten und den bildenden Künsten an der Schnittstelle zur Technik im HKW zu gleichen Teilen einen Raum zu geben. Dem derzeitigen Hang zur Vereinfachung und zur Verbildlichung von Themen eben nicht nachgeben. Das Publikum stärker mit in die Diskussionen einzubeziehen. Nur so werden sich die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters auf dem Festival abbilden.

Visuell beeindruckend ist der Großteil der Videos, Objekte und Installationen in der Ausstellung. Das kritische Potenzial der insgesamt 30 Arbeiten erschließt sich aber meist erst beim Lesen des Begleitbüchleins.

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News: Artikel Presse- und Redaktionsleitung

Friederike Walter

Licht und Schatten

… im Gespräch

„Meine Bilder schreien dich nicht an. Sie brauchen eindeutig Zeit, bis sie anfangen, ihre Fragen zu stellen“, so sagt Friederike Walter im Interview. Die Künstlerin baut, zeichnet und malt Räume. Damit hat sie bereits während ihres Studiums an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach begonnen. Der Tradition des modernen Flaneurs verpflichtet, findet sie ihre Motive im Stadtraum vor oder erfindet sie im Gedankenspiel neu. Sei es, dass uns die Künstlerin Einblicke in scheinbar private Zimmer gewährt oder ohne helfenden Erzählfaden durch anonym dargestellte Räume irren lässt, ihre zunehmend abstrakter werdenden Bilder sind das, was der amerikanische Kunstkritiker Michael Fried¹ einst über die Werke der Minimal Art schrieb: eine literalistische Kunst. Denn ähnlich wie die Objekte der Minimal-Künstler wollen auch Walters Ölbilder „in einer Situation erfahren (werden) – und zwar in einer, die geradezu den Betrachter mit umfasst“. Über die unmittelbare Wirkung, welche ihre Bilder auf unsere Wahrnehmung ausüben, sprach ich mit Friederike Walter in ihrem Frankfurter Atelier.

Hortense Pisano: Erst kürzlich haben wir uns in einer Ausstellung temporäre Behausungen angeschaut, die sich alle wohltuend vom Prinzip der üblichen vier feststehenden Wände abhoben. Räume, so hast du mir erzählt, haben dich stets fasziniert. Weshalb faszinieren dich ausgerechnet jene rein funktionalen, reduzierten Räume, wie etwa Fahrstühle, Schächte, Tiefgaragen, entleerte Zimmer und Raumfragmenten, die du malst?

Friederike Walter: Jeder Raum, der uns umgibt hat eine eigene Ausstrahlung – darauf achte ich und merke mir seine Beschaffenheit. Oft bewege ich mich auch in Gedanken durch Räume. Ich stelle mir vor, wie ich durch ein Haus gehe und mir dessen Zimmer ansehe. Ich suche diese imaginären Räumen und finde sie, um sie in Malerei umzusetzen.

Du sagtest gerade, du hättest dir angewöhnt, imaginäre Räume zu konstruieren, um durch sie hindurch zu gehen. Das klingt nach Anwendung der antiken Mnemotechnik. Eine Verbindung zwischen einem erdachten Raum und einer Textstruktur hätte ich bei dir nicht automatisch hergestellt, aber jetzt, wo wir darüber reden, macht es Sinn.  

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Verbergen ist eine Kunst

PHOENIX AUS DER ASCHE

Das wiedereröffnete Fotografie Forum Frankfurt zeigt Viviane Sassens originäre Modefotografien

VON HORTENSE PISANO

taz.die tageszeitung
16.06.2014

Da wäre jener Junge zu erwähnen, über dessen Rücken sich eine milchig weiße Flüssigkeit ergießt. Ebenso rätselhaft wie verstörend wirkt eine Aufnahme, auf der ein Mädchen zur Hälfte in einem Bettlaken verschwindet. Ihr nach hinten gebeugtes Gesicht bleibt anonym. Es ist der menschliche Körper, der hier surreal und dramatisch zugleich vor einer Art Leinwand in Szene gesetzt wird.

Starke Bilder, die sich einprägen und die von einer stillen Schönheit und oft auch einer aufwühlenden Anklage sind, hat die niederländische Fotografin Viviane Sassen während ihrer zahlreicher Reisen durch Afrika geschaffen. Für ihre Fotostrecke erntete sie im Vorjahr auf der Kunstbiennale in Venedig viel Lob, weil es ihr gelingt, die Intimität der abgebildeten Menschen zu wahren.

Körper als Material

Auf ihren zwischen Reportage-Fotografie und Inszenierung angelegten Arbeiten bringt sie den Körper als wunderbar wandelbares Material und als abstrakte Fläche zur Entfaltung. Ihre offenkundige Vorliebe für bunte Farben und blumige Muster, ihr Spiel mit Licht und Schatten hängt mit ihrer eigenen Erinnerung an Afrika zusammen. Sie, die heute in Amsterdam lebt, hat als Kind mit den Eltern einige Jahre in Kenia verbracht.

Doch nicht Sassens traumartige Bildserien „Flamboya“ oder „Parasomnia“, die sich so inspirierend Afrika zuwenden, stehen derzeit im Mittelpunkt ihrer Überblicksschau im Fotografie Forum Frankfurt (FFF). Sieben lange Jahre war die Institution ohne feste Bleibe und entsprechend auch ohne Ausstellungen. Jetzt kann sie auf der ersten Etage eines umfassend sanierten Altstadthauses einen Parcours präsentieren, der sich auf rund 300 Quadratmeter der erfolgreichen Modefotografin Viviane Sassen widmet. Für das FFF erweist sich die Auftaktschau, die in Teilen auch im Huis Marseille Museum in Amsterdam zu sehen war, in den neuen Räumen als Glücksfall. Denn erfreulich experimentell nähert sich die Präsentation, die ein Nebeneinander an Bildern unterschiedlicher Formate und Themenstrecken aus 18 Jahren vorstellt, dem Begriff „Modefotografie“.

Mode, vor allem tragbare, spielt zu Beginn von Sassens Karriere eine untergeordnete Rolle. Inspiriert von Nan Goldins fotografischen Streifzügen durch die US-Schwulen- und -Undergroundszene und von Larry Clarks freizügigen Darstellungen jugendlicher Sexualität beginnt Sassen ab dem Jahr 2000 Kollegen und Freunde in ihre Fotostrecken miteinzubeziehen. Den Platz für ihre Körperakte, die laut Sassen viel mit der Erforschung ihrer eigenen weiblichen Sexualität zu tun hatten, findet sie in den entsprechenden Independent-Magazinen. Dazu zählt das in den 1990ern gegründete französische Fashionmagazin Purple oder das auf popkulturelle Themen ausgerichtete britische Magazin Dazed & Confused, die ähnlich wie Sassen Mode und Kunst als Einheit denken.

Ganz gleich, wie lasziv Sassens Models vor der Kamera posieren. Ob es sich um ihre ersten Auftragsarbeiten handelt, für die ihr Emmeline de Mooij noch Model stand, oder um eine aktuelle Modestrecke, stets betreibt die Niederländerin die Kunst des Verbergens und der Verfremdung. Auf ihrer Kutt-Magazin-Serie (2003) sind es die Gliedmaßen eines unerkannt bleibenden Models, die mit de Mooijs Körper fremdartig verschmelzen und ihn auf diese Weise surreal verzaubern.

Gerade weil Sassens frühe Magazinarbeiten nicht die Perfektion ihrer neueren Modefotografien erreichen, verdeutlicht „In and out of Fashion“, dass sie von Beginn an eine an den Effekten der modernen Avantgarde geschulte und dabei ganz eigene, zeitgemäße Bildsprache anstrebte. Eine Bildsprache, die sich wohltuend von den puppenhaften Schönheitsidealen abhebt, wie sie nach wie vor das Bild der Frau in den bekannten Modemagazinen prägen.

Gesichter im Schatten

Möglichst alles von ihren Models zu zeigen, ist – anders bei dem umstrittenen Modefotograf Terry Richardson -, wie gesagt, nicht Sassens Ding. Oft bleiben die Gesichter ihrer Models in der Dunkelheit eines Schattens verborgen, werden von drapierten Stoffbahnen umhüllt oder verschwinden hinter einem Bausch bunter Kleider, so etwa auf dem Bild mit dem vielsagenden Titel „In Bloom“ von 2011. Auch Sassens Fotografien, die den intuitiven Moment beschwören, kommen nicht ohne eine konzeptuelle Vor- und digitale Nachbearbeitung aus. Diesen fotografischen Prozess thematisiert die Schau in Form von Skizzenbüchern und Bildern aus Sassens Serie „Foreplay“, die am Rande ihrer Fotoshootings entstanden sind.

In der Mitte des Rundgangs lädt dann eine „Black Box“ zum Videoschauen ein. Über 300 Modefotografien, produziert von Sassen für internationale Modelabels, ziehen dort wie am laufenden Band am Auge des Betrachters vorbei. Selbst die Flut projizierter Bilder mindert Sassens originäre und lebendige Bildsprache nicht. 

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Wohin geht’s zur Biennale, wo ist denn die Kunst?
Die 8. „Berlin Biennale“ beschäftigt sich mit der städtebaulichen Entwicklung der Hauptstadt und zeigt doch weit darüber hinaus. Sie führt an etliche Randzonen der Erde und will wissen, was der Begriff „Kultur“ in Verbindung zur Wissenschaft und Kunst heute bedeutet. In Anbetracht derart gewichtiger Fragen wird die Kunst bisweilen zu einem Nebenschauplatz. 
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Ganz schön stressig ging es dieser Woche in Berlin zu. Gut zwanzig Tage vor dem Start der Messe „Art Basel“ strömte die Kunstwelt zahlreich in die Hauptstadt und fand dort einen Reigen an Biennale- und Festivaleröffnungen vor. Den Beginn machte am Mittwochabend die „Berlin Biennale“, deren 8. Ausgabe an drei getrennten Orten – im Haus am Waldsee, in den Museen Dahlem und in den Kunstwerken – der internationalen Gegenwartskunst eine diskursive Plattform eingerichtet hat.

Das Haus der Kulturen der Welt konterte am Abend darauf mit einem nicht minder ambitionierten Programm: Das 3. „Documentary Forum“ bewegte sich vier Tage entlang der Schnittstellen Performance, Film, Fotografie und Kunst, um innerhalb dieser Grenzbereiche über die Spannung und Paradoxa bei der Herstellung von Narration sowie die Bedeutung bei der Gestaltung gesellschaftlicher Realität und gelebter Erfahrung nachzudenken. Rabih Mroués schilderte in der Ich-Perspektive, wie er im Alter von 17 Jahren um ein Haar sein Leben, seine Erinnerungen und darüber hinaus seine Fähigkeit zu sprechen verlor. Die gewaltsame Zerstörung seines Sprachvermögens war die Folge einer Kopfschussverletzung, die er sich als Passant auf der Straße während des Bürgerkrieges im Libanon zugezogen hatte, so die Erzählung, und den Verlust der seit seiner Kindheit eingeübten Wahrnehmungsmustern zur Kommunikation mit und zur Annäherung an die Außenwelt bedingte. Diese sehr persönliche Erzählung, vorgeführt ohne viel Medien-Tam-Tam – mithilfe von zwei Aufnahmegeräten und einer Projektionsleinwand – bildete den gelungenen Auftakt des Festivals.

Dann ein Szenen- und Themenwechsel. Mit Kyoichi Tsuzukis skurriler, popkultureller „Late Night Lecture“ endete am Donnerstagabend im HAU das zehntägige Festival „Japan Syndrome“, das Kulturschaffende dazu eingeladen hatte, sich mit dem ernsten Thema Kunst und Politik nach Fukushima auseinanderzusetzen. Während nun andernorts mit ziemlicher Sicherheit eine thematische Einheitswurst über die Veranstaltungen gestülpt worden wäre, tut Berlin gut daran, sich eine facettenreiche Theater- und Kunstszene zu leisten und wird dies hoffentlich auch in Zukunft genauso fortführen.

Das Museum als Erinnerungskammer

Juan A. Gaitàn, der vierzigjährige kolumbianisch-kanadische Kurator der diesjährigen Berlin Biennale legt mit seiner Ortswahl jedenfalls deutlich den Finger in die Wunde, welche der Abriss des Palastes der Republik zugunsten des derzeit in Rekonstruktion befindlichen Stadtschlosses innerhalb der Berliner Architekturlandschaft geschlagen hat. Inwieweit wird Geschichte bemüht, die Hegemonie bestimmter vorherrschender Erzählungen zu verfestigen, so lautet die spannende Ausgangsfrage Gaitáns. Nach Berlin eingeladen hat er rund 50 KünstlerInnen aus aller Welt, die sich mit ihren größtenteils neu geschaffenen Arbeiten dem Phänomen Stadt, insbesondere dem Museum als Wissensspeicher annähern.

Diese Biennale führt in eine regelrechte Erinnerungskammer, in das idyllisch gelegene Gebäude-Ensemble Museen Dahlem, das von außen einem modernen funktionalen Architekturkörper gleicht, in dessen Inneren die Zeit jedoch schon lange still zu stehen scheint. Niemand, kein Politiker, Direktor oder Kurator scheint sich daran zu stören, dass die Art und Weise, wie Kultur in den weiträumig angelegten Hallen nacherzählt wird, größtenteils überholt ist. Platz wäre dabei satt. Und die einzigartigen Exponate sprechen ohnehin für sich. In einigen Jahren, 2019, soll das Museum für Asiatische Kunst und das Ethnologische Museum dann in das Humboldt-Forum nach Berlin Mitte umziehen. Zurück bleiben wird das Museum außereuropäischer Kulturen. Doch bis das historische Prachtschloss, indem sich das Humboldt-Forum befinden wird, tatsächlich steht, vergehen noch mindestens fünf Jahre. Bereits jetzt könnte diese Zeitspanne sinnvoll genutzt werden, um die Präsentationsmodi der Sammlungen insgesamt zu überdenken. Denn seitdem das World Wide Web so vielfältige Fenster auf die entlegensten Winkel dieser Erde geöffnet hat, sich die Länder im Zuge der globalen Entwicklung immer mehr angeglichen haben, gruselt einem regelrecht in Anbetracht der in Vitrinen zur Schau gestellten kunsthandwerklichen Alltagsobjekte.

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Her mit deinen Daten! Die transmediale 2014

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Die Hacker-Community will raus der Nerd-Nische und verpasst dabei ihre Chance eine Brücke zwischen utopischem Kunstprojekt und Praxisanwendung zu schlagen.

Das Medienfestival transmediale in Berlin erlebte dieser Tage einen nie gekannten Medienhype. Hat die Revolution im Internet tatsächlich bereits stattgefunden und befinden wir uns mitten im „afterglow“, wie das Thema von Festivalleiter Kristoffer Gansing es nahe legt? Das lautet: „The revolution is over. Welcome to the afterglow“. Oder hat die Revolution im Internet womöglich noch gar nicht begonnen?

Das Internet hat das Horrorszenario vom Gläsernen Menschen wahr gemacht. Nicht nur das sog. soziale Netzwerk Facebook analysiert, was wir täglich „liken“, wer unsere Freunde sind, wie es mit unserer politischen Einstellung steht, welcher Religion wir angehören oder welche Informationen wir austauschen. Auch Google, Yahoo, Amazon und Co. sammeln fleißig, speichern und werten unser Daten aus, ohne dass wir Einblick in ihre Statistiken bzw. Archivarbeit erhalten, geschweige denn, dass wir jemals gefragt wurden, ob wir unsere Wünsche, unser Lese- und Kaufverhalten kostenlos für Marketingzwecke zur Verfügung stellen wollen.

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Kurz notiert

Nun ist er also bald weg – der schöne AfE-Turm auf dem ehemaligen Universitätsgelände in Bockenheim – am 02. Februar, d.h., in wenigen Tagen schon, soll er gesprengt werden. Ich meine, es stimmt schon, der Fahrstuhl galt bereits während meiner Studienzeit so sicher wie eine Achterbahnfahrt, es war nie richtig klar, ob es tatsächlich rauf oder runter geht oder ob man womöglich für Stunden darin festsitzen würde (derlei Gerüchte kursierten). Es stimmt auch, dass Frankfurt dringend günstigen Wohnraum benötigt. Weshalb beraubt sich die Stadt aber konsequent ihrer architektonischen Perlen?

Wer an dieser Stelle künftig bauen darf, steht momentan auch noch nicht fest. Gerade erst wurde ein Realisierungswettbewerb für den Hochhausbau ausgelobt. Die neue „Karl-Marx-Allee“ im sog. Europaviertel lässt allerdings nichts Gutes erahnen. Die Straßen dort tragen Namen wie Paris, Madrid, Moskau oder Stockholm. Doch was den Anschein von Internationalität und Weltmetropole erwecken möchte, ist in Wirklichkeit eine triste Aneinanderreihung von Betonbauten, ohne ausreichend Grünflächen für die vielen neu hinzugekommenen Anwohner.

Die Gestalter des geplanten Kultur-Campus in Bockenheim sollten nicht die gleichen Fehler machen, wie die Bauherren des Europaviertels. Inzwischen gibt es völlig neue Formen des Bauens und gerade Frankfurt mit seinen innovativen Ernst-May-Siedlungen und seiner internationalen Hochhausarchitektur, sollte sich seiner kreativen Kräfte besinnen. Gefragt ist eine Bauweise, die abwechslungsreich ist und auch niedrige Bauten zulässt, sowie ausreichend Platz zwischen den Wohnblocks einkalkuliert. Auch in Deutschland haben Leute durchaus ein Bedürfnis, sich im Freien aufzuhalten. In Relation zu den Anwohnern des Viertels ist die als Park angedachte Grünfläche viel zu klein – schlichtweg ein Witz.

Doch zurück zum Kultur-Campus: hier wäre es um so viel spannender, man würde den Turm wohngerecht umgestalten, statt ihn einfach abzureißen, um somit bauliche Innovationen ins Innere des Gebäudes verlagern zu können. Auf diese Weise könnte ein „grüner“ Turm mit dem Fokus auf mehr Nachhaltigkeit und vor allem mit viel Platz für Anwohner unterschiedlicher Alters- und Berufsgruppen geschaffen werden. Oder gibt es für derlei Ideen in Frankfurt einfach keinen Platz?

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Ausstellungen News: Artikel Presse- und Redaktionsleitung

„words&sounds“: Das Interviewbuch zur Ausstellungsreihe

 

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Einladung zur Buchpräsentation von „words&sounds“, in den Hafen 2 nach Offenbach

am 27. Oktober, ab 17 Uhr

In den Neunzigerjahren löste die so genannte „Crossover“-Bewegung eine Welle an Ausstellungen zum Thema Kunst und Musik in Deutschland aus. So schnell das „Crossover“-Fieber die hiesigen Kunstvereine und Ausstellungshäuser erfasst hatte, so schnell verschwand es nach dem Jahrtausendwechsel auch schon wieder aus dem Blickfeld des Kunstgeschehens. Ausgehend vom kurzlebigen „Crossover“-Phänomen beschäftigte sich die im Kunstraum des Hafen 2 in Offenbach am Main stattgefundene Themenreihe „words&sounds“ mit der Frage, welche Entwicklungen die eingeladenen Medienkünstler Annja Krautgasser, Karl Kliem, Dani Gal, Paul Kramer, Bastian Braun/ Gabriel Hensche, Marc Nothelfer und deafstar im Vergleich zu ihrer Vorgängergeneration durchlaufen haben? Einblick in diese Prozesse geben die im Anschluss an die Ausstellungsreihe mit den beteiligten Künstlern geführten Interviews, publiziert in dem gerade beim Revolver Verlag erschienenen, gleichnamigen Interviewbuch. Zahlreiche Farbabbildungen illustrieren die Ausstellungssituation im „alten“ Hafen 2 und erweitern die Interviews. Die Autoren des Interviewkataloges sind: Buket Altinoba, Volker Lang, Dietmar Mezler, Hortense Pisano.

Buch bestellen unter:  http://www.revolver-books.de (15 Euro)