„Misstory“: zeigt Malerei und Poesie

Julia Jansen, Caroline Krause, Corinna Mayer, Bettina Sellmann, vier Künstlerinnen und Lyrikerin Julia Mantel erschaffen zusammen ein Kaleidoskop der Gegenwart in Bildern und Worten. Die Malgeschichte bekommt auch gleich ein Up-Date. Zu sehen im Kunstverein Montez, bis 18.02.2023.

Was waren die Neunzigerjahre eigentlich rückblickend für eine Zeit? In meiner Erinnerung war es, verglichen mit den gegenwärtigen Herausforderungen an die Jugend, ein geradezu unbeschwertes Jahrzehnt – glitzernd und mädchenhaft war die Mode junger Frauen, knallig bunt die Videokunst, eine digitale Ära, voller neuer Möglichkeiten brach an. Der Kampf um die Gleichstellung von Frauen war allerdings längst noch nicht vorbei und wurde in den USA zeitgleich von einer Gruppe junger Aktivistinnen ausgefochten, die ungeduldig nach mehr „Girls Power“ riefen. Es ist diese beschriebene Aufbruchstimmung in den Neunzigern, die zeitgleich mit dem Studienbeginn der ausgestellten Künstlerinnen – Julia Jansen (*1972 in Bonn), Caroline Krause (*1967 in Nürnberg), Corinna Mayer (*1969 in Langen) und Bettina Sellmann (*1971 in München) – an der Frankfurter Akademie der Bildenden Künste Städelschule zusammenfällt. Julia Mantel zieht es zum Studium nach Lüneburg an die Denkschmiede, an die Leuphana Universität. Wenn die vier einstigen Meisterschülerinnen der Städelschule nun mit Julia Mantel, inzwischen zur wortstarken Lyrikerin herangereift, nach rund 20 Jahren im Kunstverein Familie Montez wieder zusammenfinden, können sie bereits auf mehrfache Beteiligungen an internationalen Ausstellungen in etablierten Kunsthäusern, bzw. Mantel auf eine Vielzahl an Lesungen zurückblicken. Diese Neunzigerjahre-Generation an Künstlerinnen hat frühzeitig ihren Platz im Kunstbetrieb gefunden.

Das Spiel zwischen Wahrnehmung und Fiktion, die Gegenüberstellung von zweidimensionaler Fläche und dreidimensionalem Bildraum, das Ausreizen unserer Wahrnehmungsprinzipien, ist ein nahezu übergreifendes Thema der Künstlerinnen. Experimentierfreudig wird der bekannte Bildatlas klassischer Meister, aber auch das abstrakte Vokabular seit der Moderne, collageartig zitiert und mit einem ironischen Augenzwinkern alsdann umgeschrieben. „Miss Story“ erzählt damit eine Kunstgeschichte aus der Perspektive der vorgestellten Künstlerinnen.