Licht und Schatten

Im Gespräch mit Künstlerin Friederike Walter

„Meine Bilder schreien dich nicht an. Sie brauchen eindeutig Zeit, bis sie anfangen, ihre Fragen zu stellen“, so sagt Friederike Walter im Interview. Die Künstlerin baut, zeichnet und malt Räume. Damit hat sie bereits während ihres Studiums an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach begonnen. Der Tradition des modernen Flaneurs verpflichtet, findet sie ihre Motive im Stadtraum vor oder erfindet sie im Gedankenspiel neu. Sei es, dass uns die Künstlerin Einblicke in scheinbar private Zimmer gewährt oder ohne helfenden Erzählfaden durch anonym dargestellte Räume irren lässt, ihre zunehmend abstrakter werdenden Bilder sind das, was der amerikanische Kunstkritiker Michael Fried¹ einst über die Werke der Minimal Art schrieb: eine literalistische Kunst. Denn ähnlich wie die Objekte der Minimal Künstler wollen auch Walters Ölbilder „in einer Situation erfahren (werden) – und zwar in einer, die geradezu den Betrachter mit umfasst“. Über die unmittelbare Wirkung, welche ihrer Bilder auf unsere Wahrnehmung ausüben, sprach ich mit Friederike Walter in ihrem Frankfurter Atelier.

Hortense Pisano: Erst kürzlich haben wir uns in einer Ausstellung temporäre Behausungen angeschaut, die sich alle wohltuend vom Prinzip der üblichen vier feststehenden Wände abhoben. Räume, so hast du mir erzählt, haben dich stets fasziniert. Weshalb faszinieren dich ausgerechnet jene rein funktionalen, reduzierten Räume, wie etwa Fahrstühle, Schächte, Tiefgaragen, entleerte Zimmer und Raumfragmenten, die du malst?

Friederike Walter: Jeder Raum, der uns umgibt hat eine eigene Ausstrahlung – darauf achte ich und merke mir seine Beschaffenheit. Oft bewege ich mich auch in Gedanken durch Räume. Ich stelle mir vor, wie ich durch ein Haus gehe und mir dessen Zimmer ansehe. Ich suche diese imaginären Räumen und finde sie, um sie in Malerei umzusetzen.

Du sagtest gerade, du hättest dir angewöhnt, imaginäre Räume zu konstruieren, um durch sie hindurch zu gehen. Das klingt nach Anwendung der antiken Mnemotechnik. Eine Verbindung zwischen einem erdachten Raum und einer Textstruktur hätte ich bei dir nicht automatisch hergestellt, aber jetzt, wo wir darüber reden, macht es Sinn.  

F. W.: Zwischen der Mnemotechnik und meiner Aufforderung, sich in Gedanken durch Räume zu bewegen, gibt es gewisse Überschneidungen – auch in meinen Arbeiten geht es ja um das Abrufen von Erinnerungen. Vor allem möchte ich aber die Neugier des Betrachters wecken, damit er anfängt, darüber nachzudenken, welchen Bildraum er gerade in Gedanken betritt. Wie sind die Größenverhältnisse zwischen ihm und dem Raum usw.? Mich selbst haben frühzeitig ähnliche Fragen beschäftigt. Zuerst begann ich, Jahreskalender als Grundlage für die von mir gestalteten Räume zu nutzen. In die Buchseiten hinein habe ich Durchbrüche erzeugt, Türen, Fenster und Schlitze in die mit Notizen gefüllten Seiten geschnitten, wodurch der Eintrag bzw. die Zeichnung vom Vortag sichtbar wurde. Raum wurde für mich damals als ein Zeitabschnitt erfahrbar.

Beim Anblick deiner Bilder kam mir Gaston Bachelards Äußerung in den Sinn, das Haus sei unser Winkel der Welt. Die Intimität des Hauses gewährt dem Träumer nach Bachelards Vorstellung Schutz. Doch je besser verräumlicht unsere Erinnerungen sind, desto feststehender, zeitloser werden sie. In welcher Konstellation stehen Raum, Zeit und Erinnerung in deinen Bildern?                               

F. W.: Räume, so habe ich anhand meiner autobiografisch angelehnten Jahreskalender zu erklären versucht, sind für mich täglich aufeinander folgende Zeitabschnitte. Zeiträume, die ich mir anschaue und in denen ich verweilen kann. Vor allem meine Serie „Raumlichte“ entstand mit dem Ziel, ähnliche Raum-Zeit-Fragen beim Betrachter auszulösen. Ausgehend von der Frage: In welchem Raum befinde ich mich gegenwärtig und welchen Erinnerungsraum denke ich zugleich mit? Bis hin zur Frage: Wohin käme ich, würde ich diesen Raum in eine Zukunft erweitern?

 „Wir sind umgezogen“ lautet der Titel einer deiner Bilder, der wie ein Zuruf klingt. Dieses Bild entfaltet seinen poetischen Reiz durch minimal gesetzte Akzente – etwa jene auf Wand und Boden sich ergießenden Lichtreflexe oder durch die wenigen im Raum verbliebenen Möbel. Woher stammte die Idee zu diesem die Phantasie anregenden Motiv?                                                              

F. W.: Ich habe das Zimmer mit den vier auf dem Tisch stehenden Stühlen in Wien entdeckt, in einem leer stehenden Laden.

Konntest du den Laden betreten?      

 F. W.: Nein, ich musste die Situation durch die Fensterscheibe hindurch fotografieren. Das ursprüngliche Motiv habe ich darauf leicht verändert. Tisch und Stühle sind geblieben. Mir gefiel an diesem Arrangement, dass es offen bleibt, ob hier gerade etwas beendet wurde oder schon etwas Neues beginnt. Ich mag diese Ambivalenz in Bildern. Bei meinem Bild Aufzug „6. Stock“ ist das ähnlich, hier weiß der Betrachter auch nicht genau, ob er vor oder im Inneren des Aufzugs steht. Es könnte beides sein…

Beim Betrachten jenes besagten leeren Zimmers ist mir der Gedanke gekommen, es handele sich hier um dein eigenes. Tatsächlich bietet deine Serie der „Räume“ uns noch die Möglichkeit, Restspuren von Privatheit zu entdecken. „Raumlichte“ und „Ansichten“ sind beides Serien, die du 2007 und damit später begonnen hast. Die Räume wirken aufgrund ihrer spärlichen Informationen noch rätselhafter, sind verschachtelt. Weshalb?                  

F. W.: Den Eindruck von in sich verschachtelten Räumen habe ich bei meinen später gemalten Bildern noch zu verstärken versucht. Das geht soweit, dass man bei den „Betrachtungen von allen Seiten“ nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, die Orientierung im Raum also maßgeblich erschwert wird.

Auf die Idee zu dieser Bildserie kam ich erstmals 2013 in Budapest. Damals begann ich aufgrund eines Reisestipendiums mit kleineren Formaten zu arbeiten. Als ich dann an einem Morgen zurück ins Atelier kam, stand mein gerade begonnenes Bild auf dem Kopf. Für mich hat sich da wie ein Hebel umgelegt. Plötzlich war mir bewusst, dass bei jeder Drehung des Bildes ein anderer Raum zu Tage tritt. Ich begann darauf, eine Serie an Räumen zu malen, die ein und dasselbe Motiv aus vier verschiedenen Richtungen zeigt. Das Motiv ist im bzw. gegen den Uhrzeiger gedreht. Der Betrachter soll diesen Perspektivwechsel gleichfalls nachvollziehen können.

Apropos Multiperspektive, hat dich Caspar David Friedrichs Zeichnungen „Blick aus dem Atelier“  eigentlich auf eine Art inspiriert? Ich meine jenes karg gezeichnete Zimmer, von dem aus der Blick durch ein Fenster hinaus auf die Elbe gelenkt wird. Vor allem, weil Friedrich sein Atelier einmal aus der Perspektive des linken und ein zweites Mal aus der Perspektive des rechten Auges festgehalten hat, das Sehen als Vorgang thematisiert, ähnlich wie das auch bei dir der Fall ist.             

F. W.: Ja sicher, ich kenne die Zeichnung. Inspiriert direkt hat sie mich nicht, aber du hast Recht, da besteht eine starke Verbindung. Gerade in meinen aktuellsten Arbeiten, geht es um das binokulare Sehen. Ein und dasselbe Motiv kann, wenn es gedreht wird, eine vollkommen neue Raumwahrnehmung erzeugen.

Während Friedrich um das Jahr 1805 die Natur und mit ihr die Wirklichkeit als etwas spiegelt, das sich außerhalb seiner inneren Gedankenwelt befindet, führt auf deinen Bildern augenscheinlich kein Weg mehr nach draußen. Beginnend mit den „Räumen“ als auch bei den Serien „Raumlichte“, den „Ansichten“ und „Betrachtungen“ bleibt die Sicht ins Freie versperrt, wodurch der Eindruck eines Labyrinths entsteht.       

F. W.: Die Suche nach Klarheit ist bei all meinen Bildern grundlegend. Ich finde diese Klarheit in der Fläche. Daher denke ich eher an einen Maler wie Josef Albers, die Art und Weise, wie er Flächen und Farben auf die Leinwand gesetzt hat. Sowohl die Farbfeldmalerei als auch die abstrakte Kunst sind beide für meine eigene Malweise wichtig. Ich würde das Augenmerk daher weniger auf das Fehlen von Natur lenken wollen als viel mehr auf die Art, wie durch das Schichten von Flächen und Farbe Raum und Tiefe auf den Bildern erzeugt wird. – Was du als labyrinthisch empfinden magst, ist der Versuch, den Betrachter vor Entscheidungsfragen zu stellen: Wohin zieht es mich, ins Helle oder Dunkle, will ich lieber nach rechts oder links?

Aber es stimmt schon, meine Bilder schreien dich nicht an – aufgrund ihrer reduzierten Formen und Farbgebung. Sie brauchen eindeutig Zeit, bis sie anfangen, ihre Fragen zu stellen. Das Erzeugen von Stille spielt dabei eine große Rolle.

Deine Bilder beginnen sogar erstaunlich schnell zu sprechen, und zwar sobald wir direkt vor ihnen stehen. Deine aus geometrischen Linien und Flächen aufgebauten Räume wollen dabei mal mit Abstand, mal aus der Nähe oder von rechts und links angeschaut werden. Du willst mit anderen Worten, dass wir unseren festen Standort verlassen, uns vor dem Bild bewegen. In dem Moment, in dem wir uns auf dieses Spiel mit den wechselnden Standpunkten einlassen, erkennen wir auf deinen Bildern einen faszinierenden Wandel an Farben und ein Wechsel auf der Oberflächenstruktur.  

F. W.: Meine Bilder bestehen aus mehreren Schichten unterschiedlicher Ölfarben, die ich im Laufe von drei Monaten übereinander auf die Leinwand schichte. Oft arbeite ich an mehreren Bildern gleichzeitig, weil sie aus derart vielen Farbschichten bestehen.

Jeder Zentimeter Bild ist gefüllt mit Farbe und je nach Lichteinfall kommt eine andere Farbschicht zum Vorschein. Wärmeres Licht bringt die Rottöne besser heraus und entsprechend verhält es sich mit bläulichem Licht. Das mag selbstverständlich klingen, tatsächlich hat der Lichteinfluss aber einen enormen Einfluss auf meine Bilder, insbesondere dort, wo ich Licht darstelle. Ein Weiß besteht bei mir beispielsweise aus einem Hellgelb, -rosa, -blau, eigentlich aus einer Schichtung aller Spektralfarben und diese bringen das Bild schließlich zum Leuchten.

Genauso wichtig ist die Nah- und Fernwirkung der Farben – je näher ich an ein Bild herantrete, desto mehr Farben vermag ich als Betrachter zu entdecken. Von weitem siehst du das Weiß eher als opake Fläche.

Es geht mit anderen Worten um die Substanz moderner Malerei – um das Erschaffen von Farbräumen, welche die dreidimensionierte Guckkastenbühne aufheben.  

F. W.: Ja, so ist es. Mir ist es ganz wichtig, dass jeder Zentimeter Leinwand eine Magie von Farben erzeugt. Deshalb arbeite ich nur mit Tageslicht, damit die feinen Farbnuancen besser zur Geltung kommen.

…und im Winter?

F. W.: …entstehen vornehmlich meine Skizzen – Öl auf Papier.

Lass uns abschließend über deine neueren Arbeiten sprechen: Farbe geht jetzt zunehmend in Form und Fläche über. Der „vorgefundene Raum“ wird hier noch spärlicher angedeutet. Mehr als je zuvor scheinen diese Bilder uns mit der Frage konfrontieren zu wollen, wo beginnt die Realität und wo die Fiktion?    

F. W.: Das Dargestellte scheint auf den ersten Blick real sein zu können, jedoch bei näherer Betrachtung des Raumes löst er sich immer weiter auf, da die Markierungen mehr und mehr fehlen. In den neueren Bildern geht es um Räume, die leer bleiben müssen, nicht mit Mobiliar gefüllt werden können, weil sie jenes Moment in sich tragen sollen, des Gefundenen, gerade erst im Kopf entstandenen Raumes. Ähnlich wie im Traum, wo man eine Tür aufmacht und einen Raum entdeckt, den man vorher noch nie gesehen hat. Deshalb wirken die Räume derart unberührt.

Red. Anm.: In einer leicht veränderten Fassung ist das Interview im „Darmstädter Kalenderblatt 2016“ erschienen.  Friederike Walter lebt und arbeitet als Malerin in Frankfurt am Main, mehr zur Künstlerin finden Sie auf ihrer Homepage: http://www.friederikewalter.de

[1] Michael Fried: Kunst und Objekthaftigkeit, in: „Minimal Art“, Hrsg. Gregor Stemmrich, Dresden/ Basel 1995, S. 342.

Die globale Digitalisierung und ihre Auswirkungen

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Exkursion im Rahmen des Moduls Museumspraxis // Lehrauftrag im WS 2015/16 an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken // am Institut für Kunstgeschichte

Inhalt unserer Übung war im Schwerpunkt die thematische Erarbeitung der Ausstellung „Global Control and Censorship. Globale Überwachung und Zensur“, die als Teil der Projektreihe „globale“ im Zentrum für Kunst und Medientechnologie I ZKM Karlsruhe gezeigt wird. Im Anschluss an den Theorieteil zu aktuell brisanten Themen Digitalisierung, Globalisierung, Informationstechnologie und Überwachung erhielten die Studierenden die Möglichkeit, sich mit den in der Ausstellung vorgestellten internationalen Künstlerinnen und Künstlern eingehend auseinander zu setzen, um abschließend die unterschiedlichen technischen und inhaltlichen Herangehensweisen an den Themenschwerpunkt „Globale Überwachung und Zensur“ beurteilen zu können.

Dabei haben wir uns auch die Frage gestellt, ob es grundsätzlich die Aufgabe von zeitgenössischer Kunst sein kann, auf die Gefahren einer digitalen Überwachungsgesellschaft aufmerksam zu machen? Eben dieses Aufklärungsmoment ist erklärtes Ziel der beiden Kuratoren Bernhard Serexhe und Livia Rózsas.

Mit anderen Worten, uns ging es darum zu beurteilen, ob und auf welche Art und Weise die Forderung der Kuratoren in der Ausstellung umgesetzt wurde und wie das umfassende ZKM-Projekt die „globale“ sich insgesamt dem Betachter präsentiert? Gelingt es dem Parcours an parallel gezeigten Ausstellungen sich inhaltlich zu vermitteln? Gibt es einen Art Erzählfaden, der die einzelnen Ausstellungen optisch, etwa durch architektonische Elemente, als auch inhaltlich verbindet? Wie gehen die unterschiedlichen Themenausstellungen aufeinander ein? Um welches Ausstellungsformat handelt es sich bei der „globale“ und was an Kunst wird uns gezeigt?

Einige fotografische Eindrücke von unserer 2-tägigen Exkursion im Februar 2016 in das Zentrum für Kunst und Medientechnologie / ZKM nach Karlsruhe im Rahmen der museumspraktischen Übung „Die globale Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf die zeitgenössische Kunstproduktion“.

Meinen persönlichen Dank an das ZKM-Team, insbesondere an B. Serexhe für seine Informationsbereitschaft im Vorfeld unserer Exkursion.

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Museumssammlungen heute

Lehrauftrag an der Universität des Saarlandes/ Saarbrücken / Kunstgeschichtliches Institut
/ 2015

Blockseminar verbunden mit einer Exkursion nach Frankfurt am Main 

Als „Heterotopien der sich endlos akkumulierenden Zeit“ hat Michel Foucault die Museen in seinem Essay „Andere Orte“ einst bezeichnet. Tatsächlich sind die bekannten Maxime eines jeden Museums – das Sammeln, Bewahren, Ausstellen und Vermitteln – heute an konkrete Herausforderungen geknüpft. So stellt sich beispielsweise die Frage nach der Sammlungserweiterung: nach welchen Kriterien werden Werke ausgewählt? Wie und was wird gesammelt?

Frankfurt am Main verfügt über eine facettenreiche Museumslandschaft. Im Rahmen dieses Seminars wollen wir uns exemplarisch mit drei Museen und deren hochkarätigen Sammlungen beschäftigen – erstens: mit dem Museum für Moderne Kunst (MMK 1 und 2), zweitens: dem Städelschen Kunstinstitut (Städel Museum) und drittens: mit dem Museum Angewandte Kunst.

Ziel dieser Übung ist es, Grundlagen der Museumspraxis zu erlernen. Zu diesem Zweck wollen wir uns zunächst der Frage widmen, wie die jeweiligen Sammlungen entstanden sind, wo liegen die Schwerpunkte und wie werden die Werke archiviert? Vor Ort soll der Fokus unserer Betrachtung auch auf den jüngsten Weiterentwicklungen der Häuser liegen. Während die Kunstmuseen – Städel und MMK – ihre Sammlungsflächen erweitert haben, stellt das Museum Angewandte Kunst seit dem Jahr 2014 ein neues Sammlungskonzept vor. Welche Möglichkeiten bzw. Sammlungsprinzipien Museen heute anwenden, um ihre Exponate zeitgemäß zu präsentieren, ist mit anderen Worten Inhalt dieser Übung.

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1. Station: mit den Studierenden im Städel Museum

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3. Station: abschließend im Museum Angewandte Kunst

Der Berliner Skulpturenfund

Entartete Kunst im Bombenschutt

Eine kleine, doch unbedingt sehenswerte Ausstellung gilt es im Mannheimer Kunstverein zu entdecken– denn dort befinden sich zurzeit die vermutlich „letzten Reste“ der nationalsozialistischen Propagandaschau „Entartete Kunst“.
Die beträchtlichen Lücken, welche durch die willkürlichen Beschlagnahmungen und Aussortierungen moderner Kunst in die Sammlungen der hiesigen Museen ab Mitte der 1930er-Jahre geschlagen wurden, kann man in Anbetracht der Berliner Fundstücke – alles Skulpturen – traurig erahnen.
Sie muss demnach neu geschrieben werden: die Kunstgeschichte, auch und vor allem mit Blick auf die Diffamierung viel versprechender Künstlerinnen der Moderne, darunter Marg Moll (sie begann 1902 ihre Ausbildung am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt), Emy Röder oder Milly Steger. Diese spannenden Künstlerlaufbahnen sind bislang noch viel zu wenig bekannt.

Mapping the studio. Formen und Funktionen des Ateliers in der zeitgenössischen Kunstproduktion

Wintersemester 2014/2015: Lehrauftrag an der Universität des Saarlandes Saarbrücken Seminar im Modul Museumspraxis, verbunden mit einer Exkursion nach Frankfurt

Im Rahmen des Seminars haben wir Ateliers in den Künstlerhäusern basis e.V. und Atelierfrankfurt besucht. Meinen herzlichen Dank gilt den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern für das Öffnen ihrer Arbeitsräume und für die intensiven Gespräche mit den insgesamt 20 Studierenden: Dankeschön Thomas Bayrle, Norbert Frensch, Florian Jenett, Wiebke Groesch / Frank Metzger, Oezlem Günyol / Mustafa Kunt, Marc Nothelfer, Julia Nuss und Verónica Aguilera, Vroni Schwegler, Daniela K. Velescu, Zeljko Vidovic, Friederike Walter sowie an Jakob Sturm, dem Mitinitiator der basis e.V., für seine ausführliche Einführung, ebenso an Corinna Bimböse und an das Team der Volkskantine vom Atelierfrankfurt, die eigens für uns ihre Küche an einem Samstag geöffnet haben!

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basis Leseraum: Gespräch mit Jakob Sturm (l.)

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Zimoun & Hannes Zweifel: 20 prepared dc-motors, 81 cardboard boxes 70x70x70cm, 2014

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Wir freuen uns, mitteilen zu können, dass die noch bis 21. September laufende Ausstellung „20 prepared dc-motors, 81 cardboard boxes 70x70x70cm, 2014“ ein Publikumserfolg ist: nicht nur kamen zahlreiche Besucher in den Mannheimer Kunstverein, um die Soundinstallation des Schweizer Künstlers Zimoun und des Architekten Hannes Zweifel vor Ort zu erleben.  Rund 20.000 Klicks erhielt das Video zur Soundinstallation allein in den ersten zwei Wochen online. Den Link zur Videodokumentation finden Sie unter https://vimeo.com/103985667.

Noch bis zum 21. September wird die raumgreifende Soundinstallation im Mannheimer Kunstverein präsentiert: dienstags bis sonntags, 12 – 17 Uhr. Kuratorenführung zum Ausstellungsende: Am Sonntag, den 21. September führt Hortense Pisano durch die Ausstellung im Mannheimer Kunstverein.

Ein Quadrat für die Quadratstadt Mannheim

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20 prepared dc-motors, 81 cardboard boxes 70x70x70cm, 2014; Foto: Zimoun, Installationsansicht Mannheimer Kunstverein
Bringt die Schönheit der Ausstellungsarchitektur des Mannheimer Kunstvereins voll zur Geltung: die minimalistische, bewegliche Soundinstallation des Berner Teams Zimoun & Hannes Zweifel. Noch bis 21. September 2014 im Mannheimer Kunstverein zu hören und zu sehen. Ein Quadrat ist ein Quadrat ist eine Soundinstallation…

Ankündigung Mannheimer Morgen: http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/regionale-kultur/es-kratzt-und-schabt-es-wogt-und-rumpelt-1.1831566

Zimoun & Hannes Zweifel
20 prepared dc-motors,81 cardboard boxes 70x70x70cm, 2014
www.mannheimer-kunstverein.de

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In der kommenden Ausstellung des Mannheimer Kunstvereins mit dem Titel „20 prepared dc-motors, 81 cardboard boxes 70x70x70cm, 2014“ von Zimoun und Hannes Zweifel steht zur Abwechslung nicht das Sehen, sondern vielmehr das Hören mit all seinen Sinneseindrücken im Zentrum des Geschehens. Eingeladen haben die Kuratoren Hortense Pisano und Dr. Martin Stather ein Team aus der Schweiz, das den Mannheimer Kunstverein in eine minimalistische Klangskulptur transferieren wird.

Man könnte den 1977 in der Schweiz geborenen Künstler Zimoun treffend als Soundarchitekten bezeichnen. Sei es etwa, dass er zuletzt den Innenraum der Kirche Saint-Nicolas de Caen oder jenen im Gegenzug industriell geprägten Ausstellungsraum der Opernwerkstätten in Berlin sowie im Vorjahr das Musée des Beaux-Arts in Rennes in eine Klangskulptur verwandelt, stets beeindrucken Zimouns Rauminterventionen durch den Einsatz einfacher Materialien in Verbindung mit einer ästhetisch reduzierten Formsprache, mithilfe derer es ihm gelingt, die jeweils vorhandene Architektur verblüffend neu zu definieren.

Für den Mannheimer Kunstverein haben Zimoun und der in Bern tätige Architekt, Hannes Zweifel, ein mechanisches System aus an der Decke hängenden Kisten konzipiert. Geplant ist ein schwebender, sich kontinuierlich in Bewegung befindlicher „Baukörper“, der aus vielen Einzelteilen besteht und den ansonsten hohen Ausstellungsraum abtrennt, wodurch dieser, je nach Betrachtungsstandpunkt, verschieden wahrnehmbar wird. Die Masse an Kisten wird in Relation zum Raum und dessen quadratisch angelegten Boden- und Deckenraster stehen.

Alle Kisten sind individuell in Bewegung und treffen aufeinander, wodurch komplexe Kettenreaktionen und Zusammenspiele entstehen. Die daraus hervorgehenden Klänge sind höchst vielfältig und subtil – dumpfes Rumpeln, Kratzen, Schaben, Knacken und Knistern etwa. Die Geräusche werden durch die Hohlräume der Kisten, welche einen Resonanzkörper bilden, zusätzlich verstärkt.
Zimoun, geboren 1977 in der Schweiz, lebt und arbeitet in Bern. Seine Installationen und Klangskulpturen sind ein Zusammenspiel von Mechanik, Bewegung und physisch erzeugten Klängen. Dabei kreiert er feingliedrige Werke von poetischer Verspieltheit – sie sind zugleich einfach und komplex, Resultat von Wiederholung und feinen Abweichungen, von Routine und Zufall.

Als Bausteine verwendet Zimoun Elemente, welche in ihrer Summe und durch die gegenseitigen Interaktionen komplexe Formen in Klang und Bewegung generieren. Er arbeitet häufig mit einer großen Anzahl identischer Elemente aus dem Industriebereich, die er für seine Werke entsprechend präpariert. Dabei interessiert ihn eine künstlerische Forschung an Resonanz, Raum, Bewegung, Material und generativen Systemen, sowie das Kreieren von künstlich erzeugten, aber lebendig anmutenden Inszenierungen.

Zimoun entwickelt seine Werke auch in Kooperation mit Kollegen aus anderen Bereichen, diesmal mit dem Berner Architekt Hannes Zweifel, mit welchem er schon vermehrt zusammen gearbeitet hat. Seine Arbeiten wurden in den letzten Jahren in zahlreichen Ausstellungen in Europa, Nordamerika und Asien präsentiert und mit verschiedenen Preisen und Stipendien ausgezeichnet.

Zimoun & Hannes Zweifel
20 prepared dc-motors, 81 cardboard boxes 70x70x70cm, 2014
Eröffnung: Samstag, 9. August 2014, 18 Uhr mit einem Künstlergespräch im Anschluss
Ausstellung: 10. August bis 21. September 2014

Mannheimer Kunstverein e.V.
www.mannheimer-kunstverein.de

Verbergen ist eine Kunst

PHOENIX AUS DER ASCHE

Das wiedereröffnete Fotografie Forum Frankfurt zeigt Viviane Sassens originäre Modefotografien

VON HORTENSE PISANO

taz.die tageszeitung
16.06.2014

Da wäre jener Junge zu erwähnen, über dessen Rücken sich eine milchig weiße Flüssigkeit ergießt. Ebenso rätselhaft wie verstörend wirkt eine Aufnahme, auf der ein Mädchen zur Hälfte in einem Bettlaken verschwindet. Ihr nach hinten gebeugtes Gesicht bleibt anonym. Es ist der menschliche Körper, der hier surreal und dramatisch zugleich vor einer Art Leinwand in Szene gesetzt wird.

Starke Bilder, die sich einprägen und die von einer stillen Schönheit und oft auch einer aufwühlenden Anklage sind, hat die niederländische Fotografin Viviane Sassen während ihrer zahlreicher Reisen durch Afrika geschaffen. Für ihre Fotostrecke erntete sie im Vorjahr auf der Kunstbiennale in Venedig viel Lob, weil es ihr gelingt, die Intimität der abgebildeten Menschen zu wahren.

Körper als Material

Auf ihren zwischen Reportage-Fotografie und Inszenierung angelegten Arbeiten bringt sie den Körper als wunderbar wandelbares Material und als abstrakte Fläche zur Entfaltung. Ihre offenkundige Vorliebe für bunte Farben und blumige Muster, ihr Spiel mit Licht und Schatten hängt mit ihrer eigenen Erinnerung an Afrika zusammen. Sie, die heute in Amsterdam lebt, hat als Kind mit den Eltern einige Jahre in Kenia verbracht.

Doch nicht Sassens traumartige Bildserien „Flamboya“ oder „Parasomnia“, die sich so inspirierend Afrika zuwenden, stehen derzeit im Mittelpunkt ihrer Überblicksschau im Fotografie Forum Frankfurt (FFF). Sieben lange Jahre war die Institution ohne feste Bleibe und entsprechend auch ohne Ausstellungen. Jetzt kann sie auf der ersten Etage eines umfassend sanierten Altstadthauses einen Parcours präsentieren, der sich auf rund 300 Quadratmeter der erfolgreichen Modefotografin Viviane Sassen widmet. Für das FFF erweist sich die Auftaktschau, die in Teilen auch im Huis Marseille Museum in Amsterdam zu sehen war, in den neuen Räumen als Glücksfall. Denn erfreulich experimentell nähert sich die Präsentation, die ein Nebeneinander an Bildern unterschiedlicher Formate und Themenstrecken aus 18 Jahren vorstellt, dem Begriff „Modefotografie“.

Mode, vor allem tragbare, spielt zu Beginn von Sassens Karriere eine untergeordnete Rolle. Inspiriert von Nan Goldins fotografischen Streifzügen durch die US-Schwulen- und -Undergroundszene und von Larry Clarks freizügigen Darstellungen jugendlicher Sexualität beginnt Sassen ab dem Jahr 2000 Kollegen und Freunde in ihre Fotostrecken miteinzubeziehen. Den Platz für ihre Körperakte, die laut Sassen viel mit der Erforschung ihrer eigenen weiblichen Sexualität zu tun hatten, findet sie in den entsprechenden Independent-Magazinen. Dazu zählt das in den 1990ern gegründete französische Fashionmagazin Purple oder das auf popkulturelle Themen ausgerichtete britische Magazin Dazed & Confused, die ähnlich wie Sassen Mode und Kunst als Einheit denken.

Ganz gleich, wie lasziv Sassens Models vor der Kamera posieren. Ob es sich um ihre ersten Auftragsarbeiten handelt, für die ihr Emmeline de Mooij noch Model stand, oder um eine aktuelle Modestrecke, stets betreibt die Niederländerin die Kunst des Verbergens und der Verfremdung. Auf ihrer Kutt-Magazin-Serie (2003) sind es die Gliedmaßen eines unerkannt bleibenden Models, die mit de Mooijs Körper fremdartig verschmelzen und ihn auf diese Weise surreal verzaubern.

Gerade weil Sassens frühe Magazinarbeiten nicht die Perfektion ihrer neueren Modefotografien erreichen, verdeutlicht „In and out of Fashion“, dass sie von Beginn an eine an den Effekten der modernen Avantgarde geschulte und dabei ganz eigene, zeitgemäße Bildsprache anstrebte. Eine Bildsprache, die sich wohltuend von den puppenhaften Schönheitsidealen abhebt, wie sie nach wie vor das Bild der Frau in den bekannten Modemagazinen prägen.

Gesichter im Schatten

Möglichst alles von ihren Models zu zeigen, ist – anders bei dem umstrittenen Modefotograf Terry Richardson -, wie gesagt, nicht Sassens Ding. Oft bleiben die Gesichter ihrer Models in der Dunkelheit eines Schattens verborgen, werden von drapierten Stoffbahnen umhüllt oder verschwinden hinter einem Bausch bunter Kleider, so etwa auf dem Bild mit dem vielsagenden Titel „In Bloom“ von 2011. Auch Sassens Fotografien, die den intuitiven Moment beschwören, kommen nicht ohne eine konzeptuelle Vor- und digitale Nachbearbeitung aus. Diesen fotografischen Prozess thematisiert die Schau in Form von Skizzenbüchern und Bildern aus Sassens Serie „Foreplay“, die am Rande ihrer Fotoshootings entstanden sind.

In der Mitte des Rundgangs lädt dann eine „Black Box“ zum Videoschauen ein. Über 300 Modefotografien, produziert von Sassen für internationale Modelabels, ziehen dort wie am laufenden Band am Auge des Betrachters vorbei. Selbst die Flut projizierter Bilder mindert Sassens originäre und lebendige Bildsprache nicht. 

Wohin geht’s zur Biennale, wo ist denn die Kunst?
Die 8. „Berlin Biennale“ beschäftigt sich mit der städtebaulichen Entwicklung der Hauptstadt und zeigt doch weit darüber hinaus. Sie führt an etliche Randzonen der Erde und will wissen, was der Begriff „Kultur“ in Verbindung zur Wissenschaft und Kunst heute bedeutet. In Anbetracht derart gewichtiger Fragen wird die Kunst bisweilen zu einem Nebenschauplatz. 
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Ganz schön stressig ging es dieser Woche in Berlin zu. Gut zwanzig Tage vor dem Start der Messe „Art Basel“ strömte die Kunstwelt zahlreich in die Hauptstadt und fand dort einen Reigen an Biennale- und Festivaleröffnungen vor. Den Beginn machte am Mittwochabend die „Berlin Biennale“, deren 8. Ausgabe an drei getrennten Orten – im Haus am Waldsee, in den Museen Dahlem und in den Kunstwerken – der internationalen Gegenwartskunst eine diskursive Plattform eingerichtet hat.

Das Haus der Kulturen der Welt konterte am Abend darauf mit einem nicht minder ambitionierten Programm: Das 3. „Documentary Forum“ bewegte sich vier Tage entlang der Schnittstellen Performance, Film, Fotografie und Kunst, um innerhalb dieser Grenzbereiche über die Spannung und Paradoxa bei der Herstellung von Narration sowie die Bedeutung bei der Gestaltung gesellschaftlicher Realität und gelebter Erfahrung nachzudenken. Rabih Mroués schilderte in der Ich-Perspektive, wie er im Alter von 17 Jahren um ein Haar sein Leben, seine Erinnerungen und darüber hinaus seine Fähigkeit zu sprechen verlor. Die gewaltsame Zerstörung seines Sprachvermögens war die Folge einer Kopfschussverletzung, die er sich als Passant auf der Straße während des Bürgerkrieges im Libanon zugezogen hatte, so die Erzählung, und den Verlust der seit seiner Kindheit eingeübten Wahrnehmungsmustern zur Kommunikation mit und zur Annäherung an die Außenwelt bedingte. Diese sehr persönliche Erzählung, vorgeführt ohne viel Medien-Tam-Tam – mithilfe von zwei Aufnahmegeräten und einer Projektionsleinwand – bildete den gelungenen Auftakt des Festivals.

Dann ein Szenen- und Themenwechsel. Mit Kyoichi Tsuzukis skurriler, popkultureller „Late Night Lecture“ endete am Donnerstagabend im HAU das zehntägige Festival „Japan Syndrome“, das Kulturschaffende dazu eingeladen hatte, sich mit dem ernsten Thema Kunst und Politik nach Fukushima auseinanderzusetzen. Während nun andernorts mit ziemlicher Sicherheit eine thematische Einheitswurst über die Veranstaltungen gestülpt worden wäre, tut Berlin gut daran, sich eine facettenreiche Theater- und Kunstszene zu leisten und wird dies hoffentlich auch in Zukunft genauso fortführen.

Das Museum als Erinnerungskammer

Juan A. Gaitàn, der vierzigjährige kolumbianisch-kanadische Kurator der diesjährigen Berlin Biennale legt mit seiner Ortswahl jedenfalls deutlich den Finger in die Wunde, welche der Abriss des Palastes der Republik zugunsten des derzeit in Rekonstruktion befindlichen Stadtschlosses innerhalb der Berliner Architekturlandschaft geschlagen hat. Inwieweit wird Geschichte bemüht, die Hegemonie bestimmter vorherrschender Erzählungen zu verfestigen, so lautet die spannende Ausgangsfrage Gaitáns. Nach Berlin eingeladen hat er rund 50 KünstlerInnen aus aller Welt, die sich mit ihren größtenteils neu geschaffenen Arbeiten dem Phänomen Stadt, insbesondere dem Museum als Wissensspeicher annähern.

Diese Biennale führt in eine regelrechte Erinnerungskammer, in das idyllisch gelegene Gebäude-Ensemble Museen Dahlem, das von außen einem modernen funktionalen Architekturkörper gleicht, in dessen Inneren die Zeit jedoch schon lange still zu stehen scheint. Niemand, kein Politiker, Direktor oder Kurator scheint sich daran zu stören, dass die Art und Weise, wie Kultur in den weiträumig angelegten Hallen nacherzählt wird, größtenteils überholt ist. Platz wäre dabei satt. Und die einzigartigen Exponate sprechen ohnehin für sich. In einigen Jahren, 2019, soll das Museum für Asiatische Kunst und das Ethnologische Museum dann in das Humboldt-Forum nach Berlin Mitte umziehen. Zurück bleiben wird das Museum außereuropäischer Kulturen. Doch bis das historische Prachtschloss, indem sich das Humboldt-Forum befinden wird, tatsächlich steht, vergehen noch mindestens fünf Jahre. Bereits jetzt könnte diese Zeitspanne sinnvoll genutzt werden, um die Präsentationsmodi der Sammlungen insgesamt zu überdenken. Denn seitdem das World Wide Web so vielfältige Fenster auf die entlegensten Winkel dieser Erde geöffnet hat, sich die Länder im Zuge der globalen Entwicklung immer mehr angeglichen haben, gruselt einem regelrecht in Anbetracht der in Vitrinen zur Schau gestellten kunsthandwerklichen Alltagsobjekte.

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