Kunstkritikerin & Kuratorin

words&sounds III

Motiv der Einladungskarte, Videostill

Dani Gal: Black Magic Marker

Schriftzüge graffitiartig auf die Wände gesprüht, Dollarzeichen sowie Heiligenbilder in Form von Fotokopien, in Schutzfolie verpackte Konzertankündigungen, Zeitungscollagen, Weihnachtslametta und lose befestigte Elektrokabel überziehen die Wände im Aufnahmestudio des jamaikanischen Musikproduzenten Lee ,Scratch’ Perry. Ausgerechnet in dem beschaulichen schweizerischen Wallfahrtsort Einsiedeln betreibt der Pionier der Ska- und Dub-Musik sein Aufnahmestudio. Lee Perrys 1974 in Kingston (Jamaika) gegründetes, legendäres „Black Ark“ Studio, das seinerzeit zum Zentrum der jamaikanischen Musikszene avanciert war, ging im Jahr 1980 mysteriös in Flammen auf.

Der in Berlin lebende Künstler Dani Gal hat den inzwischen 74-Jährigen Ausnahmemusiker im Vorjahr in Einsiedeln besucht. Seine aus diesem Besuch hervorgegangene Videoarbeit „Black Magic Marker“ (27.40 min) zeigt Lee Perry inmitten eines Szenarios, bestehend aus prophetischen Schriftzügen an den Wänden, kultartig im Studio arrangierten Objekten und persönlichen Erinnerungsstücken. Das ebenfalls im Raum befindliche technische Equipment tritt aufgrund des exzentrischen Auftritts des Musikproduzenten nahezu in den Hintergrund des Geschehens. Damit unterscheidet sich Gals Videoarbeit von den früheren im „Black Ark“-Studio entstandenen Filmreportagen, welche oft den so genannten „Black Ark“-Sound aufzuspüren versuchten, indem sie Lee Perrys unkonventionelle Aufnahmemethoden thematisierten.

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Ausstellungsansicht

In seinem Videofilm lässt Dani Gal nun neben Lee Perry auch Henry W. Tarkgowski, er gründete eines der ersten Reggae-Labels in England, zu Wort kommen. Im Jahr 1979 hatte Tarkgowski das „Black Ark“ in Kingston besucht, kurz bevor das Studio ausbrannte und damit ein Stück jamaikanische Musikgeschichte aus dem kollektiven Gedächtnis verschwand.

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Dani Gals Interesse gilt insbesondere jenen Leerstellen der Geschichte und ihrer Übermittlung als auch der Übersetzung ins Jetzt, in der gerade die blinden Flecke und Uneinholbarkeiten Bedeutung generieren. Parallel zu seiner Videoarbeit „Black Magic Marker“ präsentiert die Ausstellung im Hafen 2 daher eine Auswahl an Fotografien von Henry W. Tarkgowski, die vor zwanzig Jahren entstanden sind und das Interieur des „Black Ark“ Studios dokumentieren.

Dani Gal wurde 1975 in Jerusalem geboren. Nach seinem Studium der bildenden Künste an der Bezalel Academy for Art and Design/ Jerusalem, studierte Gal an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Städelschule, Frankfurt/Main und der Cooper Union for the Advancement of Science and Art in New York City. Neben Gruppenausstellungen im Deutschen Guggenheim Museum in Berlin (2008), dem Kunsthaus Baselland (2006) und der Halle für Kunst (2009), wurde Gal im Jahr 2008 mit dem Villa-Romana-Preis und 2009 mit dem ars-viva-Preis ausgezeichnet.

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In diesem Jahr nimmt Gal, vertreten durch seine Galerie Freymond-Guth & Co Fine Arts, an der kommenden Art Basel 41 Statements teil. Weitere Beteiligungen an Gruppenausstellungen: ars viva Ausstellung im MIGROS MUSEUM (Eröffnung am 12 Juni 2010), Try different keywords, Galeria Estrany- de la Mota, Barcelona, ES 2010 und All the memory of the world, GAM- Galleria Civica d’ Arte Moderna e Contemporanea, Turin, IT 2010.

Dani Gal
Black Magic Marker
Eröffnung: Freitag, den 21. Mai 2010, 20 Uhr
Ausstellung: vom 22. Mai bis 4. Juli 2010 im Hafen 2

Herzlichen Dank
dem Kulturbüro der Stadt Offenbach und der Galerie Freymond-Guth & Co.